WIRTSCHAFTLICHER ÜBERBLICK

Erholung mit Unsicherheiten: Bauindustrie bleibt 2026 im Spannungsfeld von Kosten, Nachfrage und geopolitischen Risiken

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Der deutsche Bausektor durchlief im Jahr 2025 erneut eine herausfordernde Zeit, zeigte jedoch erste Anzeichen einer leichten Erholung.

Während der Hochbau weiterhin deutlich unter hohen Bau- und Finanzierungskosten litt, profitierte der Tiefbau zunehmend von laufenden und neu gestarteten Infrastrukturprojekten. Die Auftragseingänge entwickelten sich zuletzt positiv – allerdings mit ausgeprägten regionalen Unterschieden.

Anhaltende geopolitische Unsicherheiten sowie schwankende Materialpreise wirken sich weiterhin belastend auf den Sektor aus.

Zwischen Q4 2024 und Q4 2025 verzeichneten die Preise für den Neubau von Bürogebäuden einen Anstieg um 3,5%, für Gewerbebauten um 3,3 % und für Wohnbauten um 3,2%.

Gleichzeitig zeigte die Entspannung am Energiemarkt Wirkung: Gegen Jahresende 2025 lagen die Energiepreise rund 9,7 % unter dem Vorjahreswert, was die Kostenstruktur im Baugewerbe spürbar entlastete. Dem wurde durch die jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten entgegengewirkt, die zu einem sprunghaften Anstieg der Energiepreise geführt haben.

Viele Bauunternehmen meldeten sowohl einen realen Anstieg der Auftragseingänge als auch der Umsätze. Insbesondere Großprojekte wirkten als Impulsgeber und führten zu einem Auftragsplus im öffentlichen Bau, der damit deutlich resilienter als andere Sparten blieb.

Die makroökonomischen Aussichten bleiben fragil, auch wenn Frühindikatoren wie die Materialpreise und ein Anstieg der Baugenehmigungen auf eine allmähliche Stabilisierung hindeuten, die der Bauindustrie eine gewisse Stütze bietet. Während der Wohnungsbau weiterhin unter Druck steht, wird erwartet, dass der öffentliche Bau und der Gewerbebau zu den Segmenten gehören werden, die im Laufe des Jahres 2026 an Dynamik gewinnen.

Bruttoinlandsprodukt (BIP)

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis)

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis)

Aktuelle Prognosen des IWF (Internationaler Währungsfonds) und der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) sagen eine Erholung der deutschen Wirtschaft und ein leichtes Wachstum von 1,1 % für das Jahr 2026 voraus.

Inflation/Verbraucherpreisindex (VPI)

Im März 2026 stieg die Inflationsrate in Deutschland – gemessen am Verbraucherpreisindex (VPI) – um +2.7% im Vergleich zum Vorjahresmonat. Während die Energiepreise vorübergehend zum Jahresende 2025 deutlich zurückgingen und damit eine spürbare Entlastung bewirkten, zogen die Preise in einzelnen Bereichen – insbesondere bei Industriegütern, als auch nun bei Energiepreisen - wieder an. Der hohe Anstieg der Inflation ist vor allem darauf zurückzuführen, dass sich Kraftstoffe und Heizöl infolge des Iran‑Kriegs stark verteuert haben.

Die stabile Gesamtinflation von etwa 2,0 % zu Jahresbeginn führte zu einer leichten Entspannung bei den Finanzierungskosten, was sich grundsätzlich positiv auf Investitionsentscheidungen auswirkt. Gleichzeitig bleibt die Kerninflation mit rund 2,5 % weiterhin erhöht. Dies setzt die Bauunternehmen unter anhaltenden Kostendruck, insbesondere im Bereich Löhne, dienstleistungsintensive Gewerke und anderer personalgetriebener Leistungen.

Quelle: Statista.com

Langfristiger Zinssatz und Leitzinsen

Die langfristigen Kapitalmarktzinsen in Deutschland lagen im Februar 2026 bei 2,74 % und damit gleich dem Vormonatswert. Im Vergleich zum Vorjahreswert (Februar 2025) von 2,40 % zeigt sich eine moderate Aufwärtsbewegung. Das aktuelle Zinsniveau liegt leicht über dem langfristigen Durchschnitt von 2,47%, gemessen über den Zeitraum von Januar 2023 bis Februar 2026.

Quelle: Ycharts

Seit dem 11. Juni 2025 wendet die Europäische Zentralbank die folgenden Leitzinsen für den Euroraum an:

  • Einlagefazilität (vorab festgelegter Bankzinssatz): 2,00%
  • Hauptrefinanzierungsfazilität (EZB-Kreditzinssatz): 2,15%
  • Spitzenrefinanzierungsfazilität (EZB-Tagesgeldsatz): 2,40%

Die Europäische Zentralbank hat ihren Leitzins für Einlagen seit Mitte letzten Jahres bei 2,0 Prozent belassen. Damit bleiben die Finanzierungsbedingungen im Euroraum stabil, zugleich jedoch für viele Projektentwickler weiterhin anspruchsvoll. Besonders im Wohnungsbau, der stark von Fremdkapital abhängig ist, wirkt das anhaltend erhöhte Zinsniveau bremsend auf neue Investitionsentscheidungen.

Für staatliche Infrastrukturprojekte spielen die aktuellen Zinssätze hingegen eine deutlich geringere Rolle. Diese Projekte werden in erster Linie durch langfristige Haushaltsmittel und Förderprogramme finanziert.

Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe

Im Jahr 2025 setzte im Bauhauptgewerbe erstmals wieder eine leichte Erholung ein. Besonders im September kam es zu deutlich steigenden Auftragseingängen und Umsätzen. Getrieben wurde die Entwicklung vor allem durch den Tiefbau und große öffentliche Infrastrukturprojekte, während der Wohnungsbau schwach blieb.

Nach mehreren Jahren rückläufiger Umsätze besteht hoher Erholungsbedarf in der Branche. Wesentliche Impulse werden vom geplanten Sondervermögen der Bundesregierung erwartet, das entscheidend für eine nachhaltige wirtschaftliche Belebung ist.

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis)

Baugenehmigungen

Im Hochbau gab es 2025 den ersten Anstieg der Baugenehmigungen seit 2021. Großaufträge im gesamten Bauhauptgewerbe, insbesondere für die Instandsetzung von Eisenbahnstrecken sowie den Ausbau der digitalen Infrastruktur (einschließlich Rechenzentren), trugen wesentlich zu diesem Ergebnis bei.

Trotz dieser statistischen Stabilisierung bleibt die Stimmung in der Branche gedämpft. Die regelmäßige Marktumfrage von Turner & Townsend zeigt ein vorsichtiges Wachstum, verbunden mit schwierigen Zeiten bei der Akquise neuer Aufträge. Viele Unternehmen erwarten erst mittelfristig spürbare Auswirkungen der politischen Förderprogramme – oder in einigen Fällen gar keine.

Zwar zeigen Baugenehmigungen noch oben, eine echte Trendwende ist aber noch nicht erkennbar, da die grundlegenden Probleme in der Baubranche fortbestehen und die Stimmung in der Wirtschaft weiterhin gedämpft ist.

Abbildung 6:

In Deutschland erteilte Baugenehmigungen pro Jahr

Baugenehmigungen – Gebäude / Bauaktivität
Einheit
2020
2021
2022
2023
2024
2025
Erteilte Baugenehmigungen
Anzahl
232,208
248,688
217,586
163,906
145,010
149,930
Geschätzte Baukosten für erteilte Baugenehmigungen
Millionen €
120,597
130,338
134,990
112,992
104,060
115,260

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis)

Quelle: Statistiches Bundesamt (Destatis)

Insgesamt wird für das kommende Jahr ein leichter Anstieg der Beschäftigung im Bauhauptgewerbe um 1,0 % auf rund 933.000 Bauarbeiter prognostiziert. Dieser Anstieg reicht nicht aus, um den Mangel an qualifizierten Bauarbeitern auszugleichen. Nach Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaftwird dieser Mangel bis 2030 etwa 170.000 Arbeitnehmer betragen und bis 2035 auf über 250.000 ansteigen.

Im Bauhauptgewerbe hat sich das Geschäftsklima im März 2026 verschlechtert, auf Grund von pessimistischeren Erwartungen und zunehmender Unsicherheit infolge der Situation im Nahen Osten.

Turner & Townsend Markt Umfrage

In der regelmäßig von Turner & Townsend durchgeführten Umfrage unter großen Bauunternehmen in Deutschland beschreibt die Mehrheit den aktuellen Markt als „kalt“. Im Gegensatz zur vorherigen Umfrage in Q1 2025 beschreibt kein Bauunternehmer den Markt als „heiß”. Mit Blick auf die Zukunft gehen die Bauunternehmer nicht davon aus, dass ihre Kapazitäten so schnell wie in den Vorjahren ausgelastet sein werden, was wiederum zu einem stärkeren Preiswettbewerb führt.

Quelle: Turner & Townsend Auftragnehmerbefragung Q1 2026

Source: Turner & Townsend contractor survey, Q1 2026

Verzögerte Genehmigungen, zu viele Auftragnehmer auf der Suche nach Arbeit und unzureichendes Vertrauen in den Markt stehen laut der aktuellen Umfrage unter deutschen Auftragnehmern an der Spitze der Herausforderungen. Der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften sowie übermäßige Vorlauf- und Lieferzeiten werden ebenfalls als erhebliche Herausforderung angesehen.

Quelle: Turner & Townsend Auftragnehmerbefragung Q1 2026

Die unsichere geopolitische Lage, insbesondere der aktuelle Konflikt im Nahen Osten, hat bereits jetzt, und wird wahrscheinlich auch weiterhin Auswirkungen auf die Energiepreise haben. Von Bedeutung sind auch die nach wie vor volatilen Materialpreise, die für viele Unternehmen ein wichtiger Kostentreiber sind. Im Laufe des Jahres 2025 gab es erneut erhebliche Preisuntersteigerungen bei Materialien wie Kupfer und Holz. Insgesamt ergibt sich daraus ein schwieriges Marktumfeld, in dem viele Unternehmen vorsichtig agieren und Investitionen sorgfältig priorisieren.


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